Hans-Joachim Weirather | Fischereiverband
Hans-Joachim Weirather
14 Jahre erfolgreich Präsident
26.05.2026

Interview mit
Hans-Joachim Weirather

Hans, wie war für dich die Zeit als Präsident des Fischereiverband Schwaben, es waren ja immerhin 14 Jahre. Das muss man erst einmal schaffen, 14 Jahre an der Spitze eines solchen Verbands zu stehen und die Interessen von über 21.000 Mitgliedern zu vertreten.

Die ersten Jahre waren für mich sehr anspruchsvoll, weil ich diesem Amt als Präsident des Fischereiverbands Schwaben gerecht werden wollte und ich gleichzeitig amtierender Landrat im Landkreis Unterallgäu war. Als Landrat muss man mit seiner Zeit effizient umgehen, denn sie ist knapp bemessen. 

Ich kann mir heute, nachdem ich jetzt sechs Jahre nicht mehr Landrat bin, nur schwer vorstellen, wie ich das s vereinbaren konnte. Begonnen hat es, und das werde ich nie vergessen, dass er mich unser leider verstorbener Ehrenpräsident der Franz Josef Schick 2011 gefragt hat, ob ich denn Lust hätte, seine Nachfolge anzutreten. Ich habe ihn sehr geschätzt und er mich offensichtlich auch. Und so bin ich dann auf seine Anregung hin 2012 als Präsident gewählt worden und hab einen kerngesunden Fischereiverband Schwaben vorgefunden, der in einer herrlichen Gewässerlandschaft liegt, von Oberstdorf im Süden bis an die Grenze von Mittelfranken im Norden. All die Jahre waren spannend und anspruchsvoll und auch gezeichnet von vielen schönen Begegnungen, aber auch einigen Herausforderungen. 

Welche Herausforderungen waren das und gab es in dieser spannenden und anspruchsvollen Zeit auch das eine oder andere herausragende Ereignis, das du in ganz besonders guter Erinnerung hast? 

Ein große und leider auch bleibende Herausforderung ist der negative Einfluss der Prädatoren auf die Lebensgemeinschaften im Wasser und zwar vom Bodensee, über unsere alpinen, südlich der Donau gelegenen Gewässer bis nach Nordschwaben. Und das wird uns auch weiterhin begleiten und das Thema ist deswegen so konfliktträchtig, weil der Artenschutz häufig sehr partiell betrachtet wird. Wir Fischer meinen, dass die Fische zum Beispiel von den Vogelschützern zu wenig beachtet werden, obwohl deren Lebensberechtigung im Vergleich zu den Vögeln gleichwertig ist. Und umgekehrt machen wir Fischer manchmal den Fehler jetzt weniger das verbindende zu anderen Naturschutzorganisationen zu suchen, sondern vielleicht auch manchmal zu sehr auf Konfrontation gehen. Das ist emotional sehr verständlich aber in der gesellschaftlichen Debatte nicht immer hilfreich. Damit wir in der Politik ein Gehör finden, ist es aus meiner Sicht notwendig, dass die Naturschutzorganisation Hand in Hand gehen. Das ist eine Herausforderung und bleibt eine Herausforderung. 

Ich komme ursprünglich aus der Wasserwirtschaft und für mich persönlich ist es manchmal frustrierend, dass wir trotz aller Anstrengungen über Jahrzehnte nicht weiter sind. Trotz mancher Erfolge, sind heute 60 % unserer heimischen Fischarten entweder gefährdet oder stark gefährdet oder sogar als verschollen. Hier läuft etwas schief und da müssen eigentlich jedem, der es mit unserer Heimat und mit unserer Zukunftsfähigkeit ernst meint, die Ohren klingeln. Jeder Politiker muss das zur Chefsache und zu seinem ganz persönlichen Anliegen machen. 

Es gibt aber auch viel Erfreuliches zu berichten, weil ich einige wegweisende Projekte unterschiedlichen Rollen, ob als Leiter des Wasserwirtschaftsamts Kempten, ob als Landrat des Landkreis Unterallgäu oder eben auch seit 14 Jahren als Präsident des Fischereiverbands Schwaben begleiten durfte. So ist es gelungen ist, im Zuge des Hochwasserschutzes an der oberen Iller den Fluss über 25 km von Oberstdorf bis ans Ende des Seifener Beckens zu renaturieren und die Iller von einem Kanal in einen strukturreichen Wildfluss umzuwandeln.  

Auch war die Zusammenarbeit mit den Lechwerken immer wieder gut und erfolgreich, weil die Lechwerke willens waren, die Durchgängigkeit, an deren fünf Illerstaustufen zwischen Altusried im Süden und Lautrach im Norden herzustellen. Und der Anspruch der Lechwerke war, nicht nur gesetzliche Pflichtvorgaben umzusetzen, sondern weit darüberhinausgehend eine Referenz für andere zu schaffen. Dieses Projekt hat einen Vorzeigecharakter.

Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass die Funktionsfähigkeit nachgewiesen ist und sich aufgrund der naturnahen Ausführung gezeigt hat, dass die geschaffenen Seitengewässer nicht nur als Fischaufzug oder Fischtreppe fungieren, sondern einen neuen Lebensraum und ein Laichhabitat für Fische darstellen.

Das heißt, wenn man sich die prognostizierte Entwicklung, was Klimawandel anbelangt ansieht, dann tut der Fischereiverband Schwaben genau das Richtige, wenn er weiterhin in solchen Projekten engagiert bleibt und auch mit investiert, um die Gewässer positiv zu entwickeln. Warum haben wir dich in diesem Zusammenhang immer als sehr vehementen Fürsprecher für die Belange der Gewässer Dritter Ordnung erlebt? 

Aufgrund der Tatsache, dass über 90 % der Gewässerkilometer Bayerns Gewässer dritter Ordnung sind, wird sehr schnell klar, dass der Fokus rund um das Thema Fischschutz, das wir gemeinsam bearbeiten, nicht nur an Iller, Donau und den anderen großen Flüssen zu erfolgen hat, sondern weit in die Landschaft hinein in unsere Bäche gehen muss. Für mich ist sehr früh und sehr schnell klar geworden, dass wir dort nur Erfolge erzielen können, wenn wir die Unterstützung durch ehrenamtliches Engagement bekommen. Spätestens hier sind wir wieder bei unserem Fischereiverband Schwaben, bei unseren Mitgliedern, die ihre Gewässer kennen und vor allem lieben und es natürlich auch gut mit unseren Gewässern meinen. 

Als Beispiel hierfür komme ich noch einmal zurück zur Iller. Das Monitoring zum Nachweis der Funktionsfähigkeit der Fischaufstiege konnte nur durch den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder der Fischereivereine bewerkstelligt werden, sie haben mit einem enormen Engagement das Betreuen von Fischzählanlagen übernommen. Andere hätten das nicht leisten können. 

Es geht also nur gemeinsam mit den Mitgliedern unserer Fischereivereine und Fischereigenossenschaften. Und genauso ist es, wenn ich an unser Projekt Bachflüsterer oder andere Projekte denke. Wir sind viele und wir sind diejenigen, welche die Botschaft an die Kommunalpolitiker, an die Entscheider vor Ort und als Verband natürlich auch an die große Politik richten müssen. Wir müssen sagen, dass es bei weitem nicht reicht, was wir bisher erreicht haben Wir kennen unsere Gewässer und wir müssen aufzeigen und erklären, woran es fehlt, und wir müssen auf den Verbesserungsbedarf hinweisen. Im Großen und im Kleinen. 

Im Kleinen heißt, örtlich begrenzte Strukturverbesserungen vorzunehmen. Wir sind hier wegweisend unterwegs da wir uns, auch wiederum durch viel ehrenamtliches Engagement, grundlegende Erkenntnisse erarbeitet haben. Zum Beispiel über das Temperaturgeschehen in unseren Gewässern, wir wissen mittlerweile gesichert, dass unsere heimischen Leitfischarten durch heiße Sommer und folglich durch hohe Wassertemperaturen unter Druck geraten. Wir haben das Wissen und die Fakten, um glaubhaft zu machen, was zu tun ist: Zum Beispiel die Bepflanzungen entlang der Ufersäume zu ergänzen oder neu anzulegen. Beschattete Gewässer sind kühler als nicht beschattete Gewässer, und zwar signifikant. Wir haben die Daten! 

Wenn wir einen Bogen zurück in die Zeit der Siebziger und Achtziger Jahre spannen, in den die Angelfischer überwiegend als sogenannten „Sportfischer“ wahrgenommen wurden, die ausschließlich nur zum Angeln gehen und sich eher weniger mit den gesamten Zusammenhängen am Gewässer beschäftigen. Bist du der Meinung, dass sich dahingehend ein Wandel im Bewusstsein der Angelfischer vollzogen hat? 

Ich persönlich halte den Begriff „Sportfischer“ für nicht mehr zeitgemäß, er gefällt mir nicht und er wird der Verantwortung nicht gerecht, die uns als Angelfischer zukommt. Wir arbeiten daran schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten aus dem Bewusstsein heraus, dass der Schutz des Lebensraums im Mittelpunkt stehen muss, weil nur so unsere heimischen Fischarten ein Perspektive haben und eine Zukunft. Und es geht uns Angelfischern nicht um Sport, es geht um unsere Passion und um unsere Freude in der Natur zu sein. Aber es geht aber auch um den sorgsamen und artgerechten Umgang mit der Kreatur, mit den Fischen. Und ich bin auch zutiefst davon überzeugt, dass es nur einen einzigen vernünftigen Grund gibt, zum Angeln zu gehen, nämlich sich ein heimisches Lebensmittel zu verschaffen und dieses dann auch zu schätzen und zu genießen. 

Das bleibt auch noch eine Schwerpunktaufgabe des Verbands der Öffentlichkeit noch viel mehr aufzuzeigen, dass es keinen heimischen Fisch gibt, der nicht verarbeitet werden könnte. Unsere heimischen Fische sind ein gesundes und hervorragendes Lebensmittel. Wer sich ein bisschen mit Kulinarik beschäftigt weiß, dass das sie in der Speisekarte ganz oben stehen. 

Wenn wir über heimische Fische als Lebensmittel und dessen Vermarktung sprechen, dann komme ich zum Punkt unserer schwäbischen Berufsfischer, unserer Teichwirte, unserer Forellenzüchter. Welche Bedeutung hat für dich diese Gruppe, die wir ebenfalls mit unserem Verband vertreten? 

Unsere Berufsfischer sind überaus sympathische Leute, die ihren Beruf lieben und schätzen und natürlich auch beherrschen. Ich habe sie immer bewundert und bewundere sie bis heute, wie fleißig sie sind. Ein Berufsfischer, der nicht fleißig ist, wird es nicht lange aushalten in diesem Beruf. 

Sie sind ein wichtiges Element in unserem Fischereiverband Schwaben und sie bringen auch ganz viel Sachverstand mit ein. Was mich sehr freut ist, dass unsere Berufsfischer und unsere Teichwirte, dass sie in erster Linie derzeit kein Absatzproblem haben. Sondern sie haben eher ein Beschaffungsproblem und das liegt jetzt an ganz unterschiedlichen Punkten. Die Produktion von Satz- und Speisefischen ist nicht einfacher geworden. Die Auflagen sind komplex und vielfältig, wenn es zum Beispiel um die Fischhygiene, um fachgerechtes Ernten der Fische, um die Anforderungen seitens der Veterinäre und so weiter geht. Vor dem Hintergrund, dass es natürlich auch einen regen Handel mit Fischen gibt, besteht auch die Gefahr, dass Fischseuchen in Betriebe eingeschleppt werden, die selbst nichts falsch gemacht haben. 

Natürlich stehen auch die klimatischen Probleme im Mittelpunkt der Fischzüchter. Ein Forellenzüchter kann mit Wasser 23 Grad bis 24 Grad warmen Wasser nichts mehr anfangen, dann funktioniert seine Fischzucht nicht mehr. Aber nicht nur dort gibt es Problemstellungen, bei der Zucht von Friedfischen, wie zum Beispiel dem Karpfen, kommen Prädatoren wie Kormoran und Fischotter wieder ins Spiel. Es macht keine Freude, wenn Berufsfischer und Teichwirte zusehen müssen, wie der Kormoran oder neuerdings bedauerlicherweise auch der Fischotter wertvolle Bestände und heranwachsende Fische massakrieren, dezimieren und den Ertrag, auf den ein Berufsfischer dringend angewiesen ist, reduzieren. 

Solche Fischbestände bei Fischzüchtern sind nicht nur für die Vermarktung besonders wertvoll, sondern auch zum Beispiel zur Durchführung von so genannten Artenhilfsprogrammen. Dabei handelt es sich nicht um Fischarten, die immer direkt oder indirekt auf dem Speiseteller landen, wie zum Beispiel Huchen, Nasen oder Nerflinge. In Schwaben gibt es Betriebe, die solche bestandsgefährdeten Arten züchten, fördern und den Angelfischern zur Verfügung stellen, damit diese in den richtigen Lebensräumen wieder angesiedelt werden können. 

Federführend hierfür gilt der schwäbische Fischereihof vom Bezirk Schwaben in der als „Leuchtturm“ der maßgeblich für diese Arbeit verantwortlich ist. War die Zusammenarbeit zwischen dem Fischereiverband Schwaben und dieser Institution in den letzten Jahren aus deiner Sicht ein Erfolg? 

Sowohl die Produktion von Speisefischen wie auch von Satzfischen, ist nicht einfacher geworden. Und weil die Nachfrage größer als das Angebot ist, muss zum Beispiel eine Fischereigenossenschaft, die im Rahmen eines Artenhilfsprogramm entsprechende Besatzmaßnahmen vorhat, froh sein, wenn sie den Fischzüchter ihres Vertrauens hat und dieser Fische in der richtigen Qualität und am natürlich auch mit der richtigen genetischen Linie liefern kann. Darüber hinaus ist auch das Thema der autochtonen Fische von zentraler Bedeutung. 

All das wäre ohne unseren schwäbischen Fischereihof in Salgen mit seinen Anlagen nicht möglich. Das ist schon ein besonderer Schatz, den wir damit haben. Ich freue mich sehr über die vierzehn Jahre lange die Zusammenarbeit mit dem Leiter, Dr. Oliver Born, den ich darüber hinaus schon viel länger aus meiner Zeit in der Wasserwirtschaft kenne. Die überragende fachliche Kompetenz der Mitarbeiter der Fischereifachberatung ist enorm und im praktischen Bereich eine nicht wegzudenkende Hilfe.  Denn wer kann zum Beispiel heute noch Nasen, der frühere Brotfisch, den es an sehr vielen Flüssen in großen Mengen gab aus unseren schwäbischen Flüssen reproduzieren? Hier hat der schwäbische Fischereihof und seine sehr wichtige Bedeutung auch darüber hinaus eine Alleinstellung. Ich bin auch dankbar, dass sich der Bezirk Schwaben es leistet, diesen Fischereihof zu haben. 

Welche Botschaft oder gar Auftrag möchtest du den schwäbischen Fischern zum Abschied mit auf den Weg geben?

Seit meiner Kindheit pflege ich eine ausgeprägte Liebe zu unseren Gewässern und es gibt bei mir -meine Frau Hermine kann dies bestätigen- keinen Spaziergang oder keine Wanderung, bei der ich irgendwo an einem Bach oder an ein Gewässer kommen, ohne dass ich einen neugierigen Blick ins Wasser werfe. Und diese Liebe zu unseren heimischen Gewässern, egal ob groß oder klein, ob im Süden oder im Norden, möchte ich gerne jedem unserer über 21.000 Mitglieder vermitteln, obwohl sie dort schon sehr gut verbreitet ist. Dennoch will ich alle dazu animieren, diese Freude, diese Passion, die rein über das Fischen hinausgeht, auch an andere Menschen weiterzugeben. Und um unserer Gesellschaft zu vermitteln, dass unsere heimischen Gewässer wirkliche Lebensadern sind und, ohne pathetisch wirken zu wollen, ein wichtiger Teil unserer Heimat sind. Denn Heimat ist nicht nur die Blasmusik und der Schützenverein. Heimat ist eine gesunde, intakte Natur und Umwelt. Wir sind im Bezirk Schwaben so reichhaltig gesegnet mit Gewässerlandschaften wie kaum andere Region. Damit geht eine sehr große Verantwortung dafür einher. Diesen Funken möchte ich an alle überspringen lassen.

Warum übergibst du nach einer sehr erlebnisreichen und erfolgreichen Zeit als Präsident des Fischereiverband Schwaben dein Amt?

Für mich persönlich habe ich das Gefühl, dass es jetzt Zeit ist, den Staffelstab weiterzugeben, was ich aber nur unter der Bedingung mache, dass ich ein gutes Gewissen dabei habe. Denn ein Nachfolger braucht Qualitäten und muss zum Fischereiverband Schwaben passen. Deswegen freue ich mich sehr, dass es gelungen ist, Herrn Dr. Andreas Otto für diese Aufgabe zu gewinnen. Er bringt eine extrem hohe fachliche Expertise mit, was man selten findet. Er hat auch profunde Kenntnisse von Recht und Verwaltung. Gleichzeitig ist er passionierter Angelfischer und er hat sich um die Interessen der heimischen Fischerei verdient gemacht. Wenn es gelungen ist, in Bayern die Kormoranvergrämung trotz der vielfältigen Konflikte und unterschiedlichen Interessenslagen zu etablieren, so ist das ganz wesentlich sein Verdienst.

Mir bleibt nur noch, ihm alles, alles Gute zu wünschen, er wird das bestimmt gut machen. 



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